Wer von euch kennt das auch?

Da freut man bzw. frau sich so sehr auf den langersehnten Urlaub, zählt quasi die Stunden, bis man bzw. frau den Arbeitskolleginnen endlich ein „schöne Zeit euch allen, wir sehen uns in 3 Wochen wieder!“ hinschmettert und so schnell wie noch nie den Arbeitsplatz verlässt.

Dann geht’s noch ans Einpacken, 3 Kinder brauchen viel und wie das Wetter in Österreich wird, weiß ich auch nicht so genau.

Hab‘ ich wirklich an alles gedacht? Reiseapotheke, Aufladekabel fürs Handy, passende Lektüre, die ich schon so lange lesen wollte, aber nie dazu gekommen bin. Vielleicht noch ein Gesellschaftsspiel, denn unterm Jahr schaffen wir es nie, mit den Kindern zu spielen. Da ist noch ein originalverpacktes Geschenk von Weihnachten.

Hat eigentlich jemand an die Katzen gedacht? Schnell noch bei den Nachbarn läuten und hoffen, dass sie nicht zeitgleich mit uns auf Urlaub sind. Glück gehabt! Hausschlüssel und genügend Katzenfutter haben den Besitzer gewechselt.

So, geschafft, alle sitzen im Auto! Und ab jetzt ist Urlaub!

Wenn die Kinder nicht dauernd streiten würden, hätte ich während der Fahrt  schon eine Ahnung von Urlaub. Und müssen ausgerechnet heute  so viele auf den Straßen unterwegs sein? Aber egal! Irgendwann werden wir schon ankommen, einfach Geduld haben.

Ich konzentriere mich auf das, was ich alles im Urlaub erleben  möchte, nachholen möchte, wofür ich sonst keine Zeit finde.

Die Liste ist lang, die Autofahrt auch.

Nach dem vierten Tag im Urlaubsparadies merke ich, dass ich noch immer um 5:30 Uhr aufwache, so wie an Arbeitstagen, dass ich noch immer akribisch jedem Brösel in der Küche unseres Apartments hinterherjage und die Wäsche der Kinder feinsäuberlich ordne.  Immer noch habe ich das Gefühl, etwas nicht erledigt zu haben, ich schau auch dauernd auf die Uhr.

Also immer noch Routine, immer noch Alltag, gar nicht relaxt oder entspannt.

Warum ist das so? Wo sind die Momente der inneren Ruhe, der Erholung und wo ist das Gefühl der Freiheit? Einfach mal das machen, worauf ich Lust habe und eine 5 gerade sein lassen! Wo sind die Glücksmomente, an die ich mich noch ein halbes Jahr später gerne erinnere, wo ich noch lange davon zehren kann?

Immer bin ich in Gedanken schon beim nächsten Tag, beim nächsten Ausflug. Ich bin mir sicher, danach geht’s leichter mit der Entspannung, wenn ich diesen erst Gipfel erklommen, mich in diesem Bergsee noch abgekühlt und diesen kleinen Ort noch besucht habe.

Dabei rennt mir das Gefühl, das ich vermisse, auf Schritt und Tritt hinterher. Die kleinen Momente des Zelebrierens, Momente der Stille, des Wunderns und des Staunens.

Momente des Betrachtens, der Leichtigkeit , des Seins.

Und am vorletzten Tag unseres Urlaubes bin ich dann dort, in meinem ganz persönlichen Urlaubsparadies.

Schön ist es, so ruhig und erholsam.

Ich hole frische Milch bei einer Bäuerin und freu mich riesig auf meinen Cappuccino.

Ich sitze da und genieße mit allen Sinnen. Ich rieche, ich schmecke meinen Kaffee. Die Sonne scheint auf die Wasseroberfläche des Baches, alles glitzert und ich bin happy. Ich tauche ein in diesen magischen Augenblick. Ich bin verbunden mit meinem Herzen, mit meinem Inneren, wie auch immer das heißen mag. Nichts ist wichtig in diesem Moment, meine Gedanken bleiben da, wo ich gerade bin und ich werde langsam. Wow, so kraftvoll ist dieses Gefühl! Das ist Urlaub! Das ist Entschleunigung!

Es braucht nicht viel, um dahin zu kommen. Und ich weiß auch, dass ich nicht bis zum nächsten Urlaub warten muss.

Jeden Tag werde ich die kleinen Momente der Freude, die uns das Leben schenkt, genießen. Ich werde meine Aufmerksamkeit ganz bewusst auf meinen Körper und seine Wahrnehmung richten. Raus aus dem Verstand, rein ins Spüren! Nicht ständig, das wäre nicht gut.

Und die Erinnerung an dieses Urlaubserlebnis, das ich riechen, hören, sehen und spüren kann, hilft mir dabei. Das ist ganz fest in meinen Zellen verankert, dieses Gefühl von Entschleunigung!